Sommerferien 2026 - Aostatal - Tag 1 bis 5
Es regnet, donnert, ich bin hoch in den Alpen und der Hubschrauber fliegt tief. Ich bin schon lange wieder zurück von meiner heutigen Tour, aber sind auch alle anderen rechtzeitig angekommen? Mir kam sehr spät, als ich schon lange wieder auf dem Weg nach unten war, eine sehr langsame, große Gruppe entgegen. Hoffentlich wollten sie heute nicht mehr runter. Und es kamen mir Leute entgegen, die sicherlich noch nie über das Wetter in den Alpen nachgedacht haben. Es überholten mich aber auch Leute, die sich hier gamsartig die Berge hinaufbewegen und welche, die sich triefend schwitzend und schnaufend nicht abhängen lassen wollten. Was ist da los? Wieso achtet der Bergführer oder die führende Person nicht drauf, dass einer hinter ihm ein bleiches Gesicht hat? Wieso geht der führende Mann, ja es sind immer Männer, vorne, schnackend mit einem anderen Mann und die Frau ist mit Abstand abgehängt. Wieso achtet der Mann nicht auf seine Partnerin? Wieso geht die langsamste Person nicht vorne? Wieso sagt die langsamere Person nichts? Und warum müssen Männer immer alles so doll wie sie können machen? Boah. Am Berg gibt es viel Ärger über andere Menschen: weil sie nicht aufeinander achtgeben und weil sie irgendwelche unbearbeiteten Probleme haben, immer das Ego. Und es ist dann auch wieder menschlich: man will sich keine Blöße zeigen, nicht angreifbar sein, keine Scham empfinden, dazugehören, tough sein, Anerkennung bekommen. Dennoch könnte es schöner sein, vor allem erwarte ich das von den Bergführern!!! Von denen erwarte ich, dass sie eine Gruppe führen können, so dass alle ein Team sind und nicht erst am zweiten Tag auf den Gletscher des Gran Paradiso in der Seilschaft.
*Palimpalim* *DingDong* *Möööööp* *RattazongbämblinkBLINK* – der Reisealarm weckte mich, riss mich aus einem eh schon unruhigen Schlaf. Mir wurde übel. Ich war es nicht mehr gewohnt, so spontan hinausbefehligt zu werden. Raus aus dem wohleingeübten Alltag, raus aus der zugehörigen Gruppe. Ich war auf mich allein gestellt. Hals über Kopf stürzte ich in den Tag, kramte, räumte, warf Dinge hierhin und dahin, alles begann sich zu drehen, der Angstschweiß stand mir auf der Stirn. Ich musste los, heute schon, ich war nicht vorbereitet, schon viel zu lange war ich nicht mehr unterwegs und dann auch noch so weit: Mein Auftrag war, die Situation in einem abgelegenen Tal, weit über zwei Landesgrenzen hinweg zu überprüfen. Zum Mittag schaffte ich es, den Bus auf die Strecke zu bringen, aber mir war weiterhin schlecht, zu viel lag vor und hinter mir. Dämlich grinste mich der Dämon auf dem Beifahrersitz an. Dem würde ich es zeigen! Dank meiner Notfallkontakte, war es mir möglich, ihn wenigstens auf dem Zwischenhalteplatz abzuschütteln, die Unruhe jedoch blieb. Eine E-Vignette ermöglichte mir, durch das Tal der Ahnungslosen zu fahren, also ich war ahnungslos, denn Roaming war in diesem Tal - ach was sage ich, in diesem Land! - nicht möglich und ich hoffte, dass mein Navigationsgerät nicht abstürzte. Mit letzter Kraft schaffte ich es an meinen Zielort. Der Dämon wartete schon auf mich, grinste wieder blöd, machte sich dann aber vom Acker, als ich mich in den Bus verzog und die Verteidigungsanlagen scharf stellte. Der soll mal schön die Fresse halten, das Arsch! Der Störsender funkte noch ein paar Tage dummes Zeug, wurde aber immer leiser.
Ich bin jetzt auf dem Campingplatz Gran Paradiso, sitze gerade bei Gewitter im Bus und es ist herrlich. Heute ist Tag 5 und ich wurde schon zweimal von Franco, dem alten Bergführer umarmt. Das letzte Mal heute morgen, bevor er mich nach Le Pont hoch fuhr. Dass man hier einen Shuttle nach oben bekommt, wusste ich erst seit gestern und das ist großartig – so kann Piccio im Bus im Schatten bleiben und ich kann auf den Berg. Schatten ist notwendig, denn es ist unglaublich warm für die Höhe von 1850m. Die Sonne ballert und ich fühle mich auch oberhalb von 2500m wie eine schwitzende Dampflock. Heute war der erste Tag, an dem ich das Gefühl hatte, nicht die langsamste am Berg zu sein. Und dank Wolken war es auch angenehm kühl und dank meines Z1 Tempos habe ich nicht geschwitzt. DIE GANZEN MÄNNER IN Z3 ABER SCHON. Das unterstelle ich denen jedenfalls. Z3 – Herzfrequenzzone 3 von 5. Man sah jedenfalls Schweiß im Gesicht und aufgesaugt im T-Shirt.
However, es sind mysteriöse Dinge passiert:
Es kam ein VW Bus auf dem Campingplatz an und plötzlich saßen da 6 Leute vor dem Bus, nein 7 und die eine Frau sah so aus wie die andere und der eine Mann sah so aus wie der andere, aber in älter? Hä? Zwei Zwillingspärchen, als Paare und wo schlafen denn auch noch die 3 riesigen Basketballjungs? Sardinenbüchse? Kein weiteres Zelt zu sehen.
Ich komme vom Klo wieder, da steht Piccio neben meinem Bus vor einem sandfarbenen Kackhaufen und guckt mich verstört an. Der Haufen war zu groß für sie und sie kackt nie sandfarbenen und Hundekotze sieht nicht wurstartig aus. What?
Gestern standen sehr viele Männer um ein nicht anspringendes Auto herum, Alessandro probierte, es mit drei verschiedenen Autos, zu überbrücken. Das nicht anspringende Auto (Volvo XC 60) tat nichts außer hinten Qualm rauszupuffen, aber sprang weiterhin nicht an. Die Polenjungs, denen das Auto gehörte, blieben bedröppelt zurück. Aber nicht das war mysteriös, sondern als ich vom Spaziergang mit Piccio zurück kam, war das Auto weg. Definitiv zu kurz dafür, dass ein Abschleppauto hier gewesen sein könnte.
Auflösungen folgen.
Fun Facts aus 5 Tagen, nicht sortiert:
Piccio darf leider gar nicht hinauf auf die Berge, erst ab dem 15.7. auf ausgesuchte Routen.
Ein Maultier bringt Equipment von und zum Refugio Emanuelle II.
Der Klettersteig ist zu Fuß erreichbar.
Mehr Pausen machen! Das Gewitter kommt nicht so schnell wie befürchtet.
Es gibt einen Shuttle (Franco) vom Campingplatz nach Le Pont und wenn ich gewollt hätte, hätte mich Franco auch wieder abgeholt.
Von Le Pont runter zum Campingplatz sind es nur 50min zu Fuß, fühlte sich aber schneller an.
Weißes Rauschen (der Fluss) kann auch nerven – Ohrstöpsel auch für den Weg einpacken.
Garmin ist ein Arsch! Alle meine Aktivitäten sind bis jetzt Erholung – danke, sag das mal meinen Beinen. Heute tun die Waden das erste Mal nicht mehr Hölle weh. Heute, 6h17min unterwegs, 14,83km, 790hm hoch und 922 runter – da sagt Garmin doch glatt: EINE STUNDE Erholungszeit. Ey, der hat sie doch nicht alle. Ja, weil ich so toll Z1 und Z0 gegangen bin.
Wenn es anfängt, große Gewittertropfen zu regnen, heißt das nicht wie bei uns im Norden, dass man sofort alles panisch reinräumen muss, weil es sofort losgeht.
Die Flüsse werden nach dem Gewitter beige, einen Tag später sind sie wieder hellblau.
Und nun, meine Damen, Herren und alle dazwischen und außerhalb, die Auflösung zu den drei Mysterien:
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie die Kinder verteilt sind, aber der andere Teil der Familie (davon gehe ich aus) wohnt in einer Hütte, die man hier mieten kann. Wahrscheinlich schlafen nur 3 Leute im Bus mit Hochdach. Ob es wirklich Doppelzwillinge sind ist weiterhin unklar.
Möglicherweise war das ein Fuchs, der Piccio neben meinem Bus vor die Nase gekackt hat. Am nächsten Tag kam eine tschechische Frau zu mir und erzählte was von Liŝka – Fuchs und auch die Polenjungs neben mir haben zwischen ihrem und meinem Platz einen Fuchs gesehen. Deshalb hat mich Piccio auch so entsetzt angeschaut.
„Have you tried to turn it off an on again?“ Ein Auto ist auch nur ein dummer Computer. Man musste es komplett vom Strom trennen, beide Kabel + und -, 15min warten, wieder anstecken und dann sprang der Volvo an.
Danke fürs Lesen.



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