Sommerferien letzter Akt 2023, Szene I
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Nichts ist so beständig, wie die Unbeständigkeit des norddeutschen Sommers.
Gestern lagen wir noch mit Bikini am Strand, heute sitzen wir in Daunenjacke unter dem Campingzelt, die Regentropfen verzieren die hellgraue Plane. Nur ihr leichter Grünstich setzt sie von der Farbe des Himmels ab. Die Wettervorhersage hat sich von "den ganzen Tag Sonne" auf "erst ab 18Uhr wieder etwas Sonne und bis 15Uhr ein bisschen Regen" geändert.
Gestern nutzten wir den Tag deshalb gnadenlos aus, wie auch alle anderen Campingplatzbesucher*innen, die den Strand überschwemmten.
Ich bin gerade auf Fehmarn, Camping Strukkamp Huk. Dies ist der letzte, der dritte Akt meiner Sommerferien. Er wird Zäsuren von kurzen Heimfahrten enthalten. Zum Beispiel am Wochenende, da möchte ich auf den CSD nach Lübeck und außerdem muss ich den Computer mit Untis belästigen. Oder anders gesagt, die Rechenpower meines GamingPCs für die Berechnung des neuen Stundenplans ausnutzen. Der macht Plan A in einer Minute statt zehn und die "Übernachtplanung" in zweieinhalb Stunden. Aktuell läuft eine Überlegung, die Vertretungsstunden anders zu organisieren, nachdem ich mit einer Kollegin von einer Gemeinschaftsschule in Berlin gesprochen habe, die bis eben hier auf dem Campingplatz Urlaub gemacht hat. Sie haben z.b. immer 5 KuK die am Dienstag in der 3. Stunde Bereitschaft haben. Dann weiß man, dass man dort Vertretung haben könnte, aber eben nicht in den Freistunden.
Wie auch immer, der letzte Akt der Sommerferien beinhaltet auch immer eine Vorbereitung der neuen Schulphase. Ich möchte die Zeit dazwischen möglichst mit viel schönen Dingen füllen, damit ich trotzdem noch mit Ferienmodus in die Schulzeit starte und übernächsten Montag überrascht bin, was für ein Chaos da wieder auf mich einstürzt.
Gestern wollten wir das Sommerwetter also gnadenlos mit Tanning am Strand ausnutzen. Mein persönlicher Plan dort lesend zu bräunen ging allerdings nicht so richtig auf. Zu viel Strand-Theater. Es begann mit der dreikindrigen Familie eine Reihe vor uns. Die zwei Jungs, der älteste wird vielleicht gerade in die fünfte Klasse kommen, diskutierten zunächst lautstark darüber, was für ein Eis sie wo kaufen wollen (Fingereis gibt es nicht in der Strandbar), auf der Unentspanntskala schon eine zwei von fünf. Diese Skala schoss aber zu dem Zeitpunkt auf fünf von fünf, als die beiden Richtung Campingsupermarkt abzogen und ihre Schwester nicht mitnahmen. Dann war Vollalarm. Und zwar so lange, bis sie wieder zurückkamen. Und das war lang! So lang, dass wir, zwei Lehrerinnen, eine Sozialpädagogin zunächst genervt waren, uns dann anfingen darüber auszutauschen, irgendwann lachen mussten und dann zu den Analysen ansetzen, warum das Mädchen so einen Terror macht. Wir schätzen, dass sie sich alleingelassen, einsam und nicht zugehörig zu ihren Brüdern fühlte. Die machten ihr Ding und kümmerten sich bei ihrem Loswandern nicht um sie. Die Mutter hielt den Terror ziemlich geduldig aus, konnte aber auch nicht so richtig das Leid auffangen. Irgendwann sagte sie zu neu ankommenden Nachbarn, dass es vielleicht keine gute Idee sei, sich neben die zu setzen und so fing es an, dass die Situation lustig wurde. Dann kamen die Jungs zurück und beschäftigten sich wieder mit ihr und alles war gut. Es ging auch nicht um das Eis, sondern offenbar nur um die Gemeinschaft/allein gelassen werden. Aber check das mal in der Situation. Selbst wir zu dritt hatten mit dem Abstand Schwierigkeiten, es herauszufinden.
Es wurde ruhiger um uns und ich versuchte, mich in mein Buch zu vertiefen. Auch das klappte nur bedingt, denn immer wieder nahm mein Ohr Wortfetzen wahr und mein Gehirn ließ sich ablenken. Auch deshalb ist ein ausländischer Strand schön: Man hört zwar Stimmen, versteht aber nichts. Alles ist einfach bloß Geräusch und die "Ein Mann erzählt seine Geschichte"-Situation hätten wir nicht mitbekommen. Eine Geschichte vom Januar und Fußball und gebrochenen Knöcheln und noch nie dagewesener Verletzung und Platten und Schrauben und wie man sich nach der OP möglichst bewegen und nicht bewegen sollte. Wow, einfach wow.
Ich habe die schwedisch sprechenden Frauen neben mir beneidet. Beneidet darum, das alles nicht mitzukriegen. Das nächste Mal werde ich Ohrstöpsel mitnehmen.
Es wurde späterer Nachmittag und ich holte meinen Hund für einen Strandspaziergang. Immer wenn ich ihr Spielzeug dabei habe, vergisst sie, dass sie Angst vorm Schwimmen hat. Wenn ich es ins Wasser werfe, springt sie wie ein Delfin hinterher, bis ihre Pfoten keinen Grund mehr haben und dann paddelt sie so geschwind wie sie kann und schnappt sich das Spielzeug. Sogar der Kopf kann dann unter Wasser kommen. Sie dreht um und schwimmt auf dem schnellsten Weg zurück zum Ufer. Und wenn ich ihr das Spielzeug nicht dabei wegnehme, bringt sie es auf den Strand und wälzt sich ausgiebig darin. Es ist wunderbar, ihr dabei zuzusehen. Solch eine Freude und Begeisterung.
Selbst das Shopping fehlte nicht am gestrigen Sommertag. Ich kaufte mir endlich einen 7er Kite zum Twintip fahren. Einen gelben 7er Ozone Edge V9. Gebraucht von einem Freund und er ließ mir sogar die Option, ihm den zurückzugeben, wenn er mir beim Fahren nicht gefällt.
Inzwischen ist es 12 Uhr geworden. Der Regen hat temporär aufgehört und mit sehr viel gutem Willen kann man Unterschiede in den Grautönen am Himmel erkennen. Ich werde schauen, ob ich ein paar Dinge hier auf unserem Vereinsplatz verbessern kann, oder lesen oder mit meinem Hund spazieren gehen und darauf warten, dass der Foilwind einsetzt.
Ein entspannter, friedlicher Ferientag in Aussicht.
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Nothing is as constant as the inconstancy of the northern German summer.
Yesterday we were still lying on the beach in bikinis, today we're sitting under the camping tent in down jackets, the raindrops decorating the light gray tarp. Only its slight green tint sets it off from the color of the sky. The weather forecast has changed from "sun all day" to "only from 18 o'clock again some sun and until 15 o'clock a little rain".
Yesterday we used the day therefore mercilessly, as well as all other campsite visitors* who flooded the beach.
I am currently on Fehmarn, Camping Strukkamp Huk. This is the last, the third act of my summer vacation. It will contain caesuras of short trips home. For example at the weekend, I want to go to the CSD in Lübeck and also I have to bother the computer with Untis. Or in other words, use the computing power of my gaming PC to calculate the new timetable. It does plan A in one minute instead of ten and the "overnight planning" in two and a half hours. Currently, I'm thinking about organizing the substitute lessons differently, after talking to a colleague from a community school in Berlin, who was on vacation here at the campsite until just now. They have e.g. always 5 KuK who have on Tuesday in the 3rd hour readiness. Then you know that you could have substitutes there, but just not in the free periods.
Anyway, the last act of the summer vacations always includes preparation for the new school phase. I want to fill the time in between with as many nice things as possible, so that I still start the school season in vacation mode and am surprised the Monday after next by the chaos that comes my way again.
So yesterday we wanted to take advantage of the summer weather mercilessly with tanning on the beach. My personal plan to tan there reading didn't really work out though. Too much beach theater. It started with the family of three one row ahead of us. The two boys, the eldest may just be entering fifth grade, were at first loudly discussing what kind of ice cream to buy and where (finger ice cream is not available at the beach bar), already a two out of five on the un-relaxation scale. But this scale shot up to five out of five at the point when the two of them took off in the direction of the camping supermarket, not taking their sister with them. Then it was full alarm. And that was until they came back. And that was long! So long that we, two teachers and a social pedagogue, were annoyed at first, then started to talk about it, had to laugh at some point and then started to analyze why the girl was making such a terror. We guess that she felt left alone, lonely and not belonging to her brothers. They were doing their thing and didn't care about her when she wandered off. The mother endured the terror quite patiently, but could not really absorb the suffering either. At one point she said to newly arriving neighbors that maybe it wasn't a good idea to sit next to them, and that's how the situation started to get funny. Then the guys came back and engaged with her again and all was well. It wasn't about the ice either, it was apparently just about the companionship/being left alone. But check it out in that situation. Even the three of us had a hard time figuring it out with the distance.
It got quieter around us and I tried to immerse myself in my book. Even that only worked to a certain extent, because my ear kept picking up scraps of words and my brain got distracted. That's another reason why a foreign beach is beautiful: you hear voices, but you don't understand anything. Everything is just noise and the "A man tells his story" situation we would not have caught. A story of January and soccer and broken ankles and unprecedented injury and plates and screws and how you should move and not move after surgery if possible. Wow, just wow.
I envied the Swedish-speaking women next to me. Envied not being able to hear all that. Next time I will bring earplugs.
It was getting late afternoon and I got my dog for a walk on the beach. Whenever I bring her toy, she forgets that she is afraid of swimming. When I throw it in the water, she jumps after it like a dolphin until her paws have no bottom and then she paddles as fast as she can and grabs the toy. Even her head can then get under the water. She turns around and swims the fastest way back to shore. And if I don't take the toy away from her in the process, she brings it onto the beach and rolls around in it extensively. It is wonderful to watch her do this. Such joy and enthusiasm.
Even shopping was not missing on yesterday's summer day. I finally bought a 7 kite to ride twintip. A yellow 7er Ozone Edge V9. Used by a friend and he even left me the option to give it back to him if I didn't like it while riding.
In the meantime it has become 12 o'clock. The rain has temporarily stopped and with a lot of good will you can see differences in the grays in the sky. I'll see if I can improve a few things here at our club course, or read, or walk my dog and wait for the foil wind to kick in.
A relaxing, peaceful vacation in prospect.


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