Der geheime Reiseführer - Corona II.1
"Captain, Captain, Mayday, Mayday, wir haben ein Loch an Board. Nein, im Board, nein über Board - Da ist ein Mann über Board - Ach nee, das ist nur -
Die Übertragung riss ab. Es war Sonntag, der 10. Mai 2020. Ich blickte von meinem Essen auf und sah vor mir ein Gesicht aus dessen Mund Nudeln hinunter bis zum Teller hingen. Wer war diese Person? Ach ja, das bin wohl ich. Mit den Corona-Haaren habe ich mich gar nicht mehr erkannt und starrte mich auf dem reflektierenden Laptopbildschirm eine weitere Minute fassungslos an.
Die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle. Ja, ich weiß, das hört sich ziemlich abgekupfert an, aber der unendliche Unwahrscheinlichkeitsantrieb ist tatsächlich bloß eine Weiterentwicklung des Inhalts der Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle. Die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle wird dann hervor geholt, wenn ein Reisender in eine Notfallsituation gerät und eine schnelle Rettung braucht, die allein durch intensives Nachdenken nicht hätte gefunden werden können. Bis sich die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle allerdings zeigt muss man schon so stark nachgedacht haben, dass sich die Balken biegen und Dampf aus den Ohren schießt.
Was war mit der CMCYMCA Peter Panther passiert, dass sich die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle zeigte und noch schlimmer, was war passiert, dass sie über Board ging?
*Palimpalim* *DingDong* *Möööööp* *RattazongbämblinkBLINK*
Der Reisealarm riss mich aus meiner nudelsabbernden Schockstarre. Ich musste los. Die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle bergen. Koordinaten trafen im Dauerfeuer auf mein Navigationssystem, ich trat aufs Gas, drehte mich dreimal nach links, einmal nach rechts, zwei Donuts auf dem Asphalt und los Richtung Norden.
Die Brücke - die verdammte Brücke war wieder geöffnet! Zum Glück. Hätte ich den geheimen Geheimweg nehmen müssen, wäre es vielleicht zu spät gewesen für die Bergung der Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle.
Hinter mir schloss sich die Luft und *puff* war ich auf der Insel angekommen. Rechts runter von der Bundesstraße, dreimal links und dann nur noch rollen lassen bis zum Campingplatz Strukkamp Huk. Aaah, nein, natürlich hieß der Campingplatz anders, oh Gott was tue ich jetzt, äh, schnell leugnen: "Nein, der Campingplatz hieß anders.", verleumden: "Das war ich gar nicht.", Fakenews verbreiten: "Der Campingplatz heißt 'Bei Uschi.'" und dazu noch eine Portion Verschwörungstheorie: "Die Chemtrails über der Insel haben den 5G Mast umprogrammiert, so dass er an linksgrünversiffte Systemgutmenschen das Covid-19-Virus verteilt, die aber nicht schlimm krank, sondern zu Bill-Gates Corona-Zombies werden um die Weltherrschaft an sich zu reißen und all diejenigen zwangsimpfen wollen, die in diesen Zeiten noch die Wahrheit sehen".
Äh... wo war ich?
Ach ja - Die Schranke ging hoch und ich war da.
Was für ein Chaos. Ein Großteil des geheimen Testteams war alarmiert worden und es herrschte ein großes Durcheinander auf dem Platz. Von links flitzte G. durchs Bild, und wenn ich "flitzen" sage, wisst Ihr wie er bekleidet war, machte einen Purzelbaum vor der Anmeldung und flitze baumelnd wieder zurück, nicht ohne dabei lauthals "Ein Ufo, ein Ufo!" zu singen. G. ist normalerweise Bariton im berühmten Spraakebüllfelder Opernchor. Zuletzt hatte er aber umgesattelt auf Countertenor und hatte sich mit einer legendären Performance der "Königin der Nacht" auf unserer letzten Weihnachtsfeier einen Namen gemacht. Natürlich auch hier nackt. Bei den Koluraturen hüpfte er so lustig durch die Gegend, was dazu geführt hatte, dass sich die Anwesenden aus der Gruppe Inkontinenzia (Campingplätze müssen auch auf schnelle Erreichbarkeit der Örtlichkeiten getestet werden) vor Lachen auf dem dann schon sehr nassen Boden gewälzt haben. Den Rest des Abends wollte sich niemand mehr mit ihnen unterhalten.
Ich parkte auf meinem Stammplatz und schon baute sich L.Presidente vor mir auf: "Naaaaaa Lenchen, wie geht's?" Wäre ich 30 Jahre jünger, hätte meine Mutter ihm eine reingehauen, aber da ich seit 20 Jahren volljährig bin, darf ich selbst entscheiden, wer mich wie nennt. Nett, oder?
"Gut, und selbst?" floskelte ich zurück.
L.Presidente gestattete mir bis zur offiziellen Öffnung hin und wieder auf seinem Thron platz nehmen zu dürfen, damit ich auch mal ein Gefühl von Luxus erleben könnte. Ein Eimer mit Katzenstreu ist halt auch nur eine Not(durft)lösung. Aber wie gesagt: Nur bis zur öffiziellen Offnung, denn dür fas vemeine Golk noll satürlich meine Sacht ünangefochten uber pen Dlatz strahlen. Ich hasse dieses Eiergeschaukel und Pimmelgefechte. Aber L.Presidente ist ein Guter und zusammen mit G. haben sie schon eine neue Grenzführung ausbaldowert. Ich sollte noch irgendwas mit den Farben aussuchen fällt mir dabei ein.
Der Nachmittag brach an und mit ihm genug Wind um die Suchaktion zu starten. Ich rüstete mich mit HypiV2.11 aus, schraubte das Echolot MosesW633 an den Mast und ab dafür.
Schleife um Schleife fuhr ich die Untergangsstelle ab. Mal mit komplettem Tauchgang, mal einfach nur stehend. Ich konnte auf den Grund schauen, ich konnte Fische sehen, Krebse, Seesterne, Quallen, Krabben, Hummer, Delfine, Orkas, Blauwale, Plesiosaurier, Ichthyosaurier und Elasmosaurier, aber keine verf*** Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle.
Nach 15000000 mm gab ich auf.
Das konnte doch nicht wahr sein! Der W633 ist neuste Technik, der letzte hot shit mit einer überragenden Scanleistung von 5,643 Kryppthopetawatt pro Sekunde und trotzdem blieb die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle verschollen. Vielleicht sollte sie lieber: Notfallunwahrscheinlichkeitsverscholle heißen.
Fröhlich packte ich meine Sachen zusammen und war glücklich wie schon lange nicht mehr. Auch wenn ich nicht erfolgreich war, so hatte ich trotzdem irren Spaß, denn das Wasser war glatt, der Wind war ebenmäßig und die ganzen Tiere die ich durch das coronabedingte Wegbleiben der Menschenheit aus der Natur wieder sehen konnte, waren überwältigend schön.
Die blöde Schatulle blieb also verschollen, G. zog sich als es kälter wurde wieder was an und L.Presidente änderte seinen Beziehungsstatus.
Das lief doch wie geschmiert.
Ich liebe meine Job!
aaaah - das ist nicht nur...
das ist unsere geheime Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle. Wir *rzsdoih* *weh8gebvn* *w8ehug8vb ... 0ifghnasd89v .sdfu90ioh2498togibhnm . . ."Die Übertragung riss ab. Es war Sonntag, der 10. Mai 2020. Ich blickte von meinem Essen auf und sah vor mir ein Gesicht aus dessen Mund Nudeln hinunter bis zum Teller hingen. Wer war diese Person? Ach ja, das bin wohl ich. Mit den Corona-Haaren habe ich mich gar nicht mehr erkannt und starrte mich auf dem reflektierenden Laptopbildschirm eine weitere Minute fassungslos an.
Die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle. Ja, ich weiß, das hört sich ziemlich abgekupfert an, aber der unendliche Unwahrscheinlichkeitsantrieb ist tatsächlich bloß eine Weiterentwicklung des Inhalts der Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle. Die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle wird dann hervor geholt, wenn ein Reisender in eine Notfallsituation gerät und eine schnelle Rettung braucht, die allein durch intensives Nachdenken nicht hätte gefunden werden können. Bis sich die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle allerdings zeigt muss man schon so stark nachgedacht haben, dass sich die Balken biegen und Dampf aus den Ohren schießt.
Was war mit der CMCYMCA Peter Panther passiert, dass sich die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle zeigte und noch schlimmer, was war passiert, dass sie über Board ging?
*Palimpalim* *DingDong* *Möööööp* *RattazongbämblinkBLINK*
Der Reisealarm riss mich aus meiner nudelsabbernden Schockstarre. Ich musste los. Die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle bergen. Koordinaten trafen im Dauerfeuer auf mein Navigationssystem, ich trat aufs Gas, drehte mich dreimal nach links, einmal nach rechts, zwei Donuts auf dem Asphalt und los Richtung Norden.
Die Brücke - die verdammte Brücke war wieder geöffnet! Zum Glück. Hätte ich den geheimen Geheimweg nehmen müssen, wäre es vielleicht zu spät gewesen für die Bergung der Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle.
Baaam
Auf der Brücke stand die Zeit still. Möwen verharrten in der Luft, der Windsack fror in der lustigsten Verrenkung steil nach oben zeigend ein und der gerade stürzende Radfahrer hatte noch einen Moment Gnadenfrist ehe der Schmerz des Aufpralls in seiner vorderen cingulären und somatosensorischen Hinterrinde ankommen würde. Ich sah Lichtblitze, Quallen schwebten durch die Luft, der blaue Himmel riss auf und zeigte die Schwärze des Universums. Ich schien an den roten Stahlpfeilern vorbeizugleuten und konnte nichts anderes tun als zu staunen - ich war wieder auf der Brücke. Auf der heiligen Brücke zwischen Realität und Phantasie.Hinter mir schloss sich die Luft und *puff* war ich auf der Insel angekommen. Rechts runter von der Bundesstraße, dreimal links und dann nur noch rollen lassen bis zum Campingplatz Strukkamp Huk. Aaah, nein, natürlich hieß der Campingplatz anders, oh Gott was tue ich jetzt, äh, schnell leugnen: "Nein, der Campingplatz hieß anders.", verleumden: "Das war ich gar nicht.", Fakenews verbreiten: "Der Campingplatz heißt 'Bei Uschi.'" und dazu noch eine Portion Verschwörungstheorie: "Die Chemtrails über der Insel haben den 5G Mast umprogrammiert, so dass er an linksgrünversiffte Systemgutmenschen das Covid-19-Virus verteilt, die aber nicht schlimm krank, sondern zu Bill-Gates Corona-Zombies werden um die Weltherrschaft an sich zu reißen und all diejenigen zwangsimpfen wollen, die in diesen Zeiten noch die Wahrheit sehen".
Äh... wo war ich?
Ach ja - Die Schranke ging hoch und ich war da.
Was für ein Chaos. Ein Großteil des geheimen Testteams war alarmiert worden und es herrschte ein großes Durcheinander auf dem Platz. Von links flitzte G. durchs Bild, und wenn ich "flitzen" sage, wisst Ihr wie er bekleidet war, machte einen Purzelbaum vor der Anmeldung und flitze baumelnd wieder zurück, nicht ohne dabei lauthals "Ein Ufo, ein Ufo!" zu singen. G. ist normalerweise Bariton im berühmten Spraakebüllfelder Opernchor. Zuletzt hatte er aber umgesattelt auf Countertenor und hatte sich mit einer legendären Performance der "Königin der Nacht" auf unserer letzten Weihnachtsfeier einen Namen gemacht. Natürlich auch hier nackt. Bei den Koluraturen hüpfte er so lustig durch die Gegend, was dazu geführt hatte, dass sich die Anwesenden aus der Gruppe Inkontinenzia (Campingplätze müssen auch auf schnelle Erreichbarkeit der Örtlichkeiten getestet werden) vor Lachen auf dem dann schon sehr nassen Boden gewälzt haben. Den Rest des Abends wollte sich niemand mehr mit ihnen unterhalten.
Ich parkte auf meinem Stammplatz und schon baute sich L.Presidente vor mir auf: "Naaaaaa Lenchen, wie geht's?" Wäre ich 30 Jahre jünger, hätte meine Mutter ihm eine reingehauen, aber da ich seit 20 Jahren volljährig bin, darf ich selbst entscheiden, wer mich wie nennt. Nett, oder?
"Gut, und selbst?" floskelte ich zurück.
L.Presidente gestattete mir bis zur offiziellen Öffnung hin und wieder auf seinem Thron platz nehmen zu dürfen, damit ich auch mal ein Gefühl von Luxus erleben könnte. Ein Eimer mit Katzenstreu ist halt auch nur eine Not(durft)lösung. Aber wie gesagt: Nur bis zur öffiziellen Offnung, denn dür fas vemeine Golk noll satürlich meine Sacht ünangefochten uber pen Dlatz strahlen. Ich hasse dieses Eiergeschaukel und Pimmelgefechte. Aber L.Presidente ist ein Guter und zusammen mit G. haben sie schon eine neue Grenzführung ausbaldowert. Ich sollte noch irgendwas mit den Farben aussuchen fällt mir dabei ein.
Der Nachmittag brach an und mit ihm genug Wind um die Suchaktion zu starten. Ich rüstete mich mit HypiV2.11 aus, schraubte das Echolot MosesW633 an den Mast und ab dafür.
Schleife um Schleife fuhr ich die Untergangsstelle ab. Mal mit komplettem Tauchgang, mal einfach nur stehend. Ich konnte auf den Grund schauen, ich konnte Fische sehen, Krebse, Seesterne, Quallen, Krabben, Hummer, Delfine, Orkas, Blauwale, Plesiosaurier, Ichthyosaurier und Elasmosaurier, aber keine verf*** Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle.
Nach 15000000 mm gab ich auf.
Das konnte doch nicht wahr sein! Der W633 ist neuste Technik, der letzte hot shit mit einer überragenden Scanleistung von 5,643 Kryppthopetawatt pro Sekunde und trotzdem blieb die Notfallunwahrscheinlichkeitsschatulle verschollen. Vielleicht sollte sie lieber: Notfallunwahrscheinlichkeitsverscholle heißen.
Fröhlich packte ich meine Sachen zusammen und war glücklich wie schon lange nicht mehr. Auch wenn ich nicht erfolgreich war, so hatte ich trotzdem irren Spaß, denn das Wasser war glatt, der Wind war ebenmäßig und die ganzen Tiere die ich durch das coronabedingte Wegbleiben der Menschenheit aus der Natur wieder sehen konnte, waren überwältigend schön.
Die blöde Schatulle blieb also verschollen, G. zog sich als es kälter wurde wieder was an und L.Presidente änderte seinen Beziehungsstatus.
Das lief doch wie geschmiert.
Ich liebe meine Job!



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