Camping in Corona-Zeiten - Tag 14, 37 und 348

Habt Ihr nicht auch das Gefühl, dass diese Shitshow schon ewig läuft? Ich weiß gar nicht mehr wie es vorher war und ich weiß gar nicht mehr wie normale Campingplätze aussehen. Ich reise hier von einem geheimen Platz zum nächsten, immer getrieben davon nicht entdeckt zu werden. Denn das was ich hier tue... ist nicht unbedingt legal... 
Ich darf natürlich den Abstand von 1,5m nicht unterschreiten, kuschele aber täglich mit meinem Hundi.
Ich darf natürlich keine Ländergrenzen überschreiten, bin aber doch bis Bangladesh gekommen - mindestens drölfzig Territorialüberschreitungsverbrechen.
Aber was noch viel krasser ist: 
Ich darf natürlich überhaupt gar nicht über das was ich hier tue schreiben und schon gar nicht öffentlich. 
Ich bin also auf der Flucht, ständig den Blick im Rückspiegel, ständig unter Verfolgungswahn leidend, ständig in Angst.
Was ich für Euch hier aufschreibe entsteht also unter größten Entbehrungen und Aufopferungen!

Genug des Selbstmitleides, hier also die Zusammenfassungen von Tag 14, 17 und 19, keine Ahnung wer den Blödsinn in der Überschrift verzapft hat. 

Freitag, 10.4.2020  Tag 14

...und nochmal das Ganze.
Meine Lektorin, die inzwischen wieder genüsslich auf dem Beifahrersitz pooft hat mir gerade auf die Finger gehauen und mich den Text aus der letzten Stunde löschen lassen, denn er war völlig of topic. Wir sind hier beim Campen und nicht im Philosophierclub.

Heute musste ich natürlich wieder in die Textilfabrik, es gab Fisch zum Mittag, nachmittags einen Spaziergang und umrandet haben das Ganze wieder die Yogasessions morgens und abends. Wie immer sehr gut. Sonst war es heute eher langweilig. 

Montag, 13.4.2020  Tag 17

*Palimpalim* *DingDong* *Möööööp* *RattazongbämblinkBLINK*
Der Reisealarm hat mich mal wieder aus Morpheus' Armen gerissen und ich musste los. Die Leitstelle hatte einen der wenigen geöffneten Freizeitparks entdeckt, den ich nun gezwungen war zu testen. Freizeitparks sind ja nicht mehr so mein Ding. Als Kind fand ich das spannend, aber immer eher vom Zuschauen und Staunen, als vom Mitfahren her. Ich hatte immer zu viel Angst davor was diese bösen Fahrgeschäfte mit meinem armen kleinen Körper und erst recht mit meiner großen Gefühlswelt machen würden. Aber jetzt musste ich. Ich hasse meinen Job.

Es war kalt, windig, stürmisch sogar und voll (keine Ahung wo die ganzen Schwarzmarktticketbesitzer her kamen) und ich hatte ÜBERHAUPT KEINE LUST. Ich habe mir noch versucht einzureden, dass das ja sowieso nichts für mich ist, selbst mit guter Stimmung wäre mir das zu windig und zu voll und ob ich überhaupt fit genug dafür sei, mir solche körperliche Anstrengungen zuzumuten... Ach herje. Großes Selbstmitleid. 
Aber zwischen den ganzen Grübelfurchten die ich mir an dem Tag zulegte wusste ich: Wenn ich das jetzt nicht durchziehe, muss ich nach Hause fahren. Dann ist es vorbei mit Camping-Abenteuern und ich bin raus aus dem Job. Für immer. 
Also: Arschbacken zusammenkneifen, rein in das Freizeitparkoutfit und los ging es. 

Und es war gar nicht schlimm. Und es war auch gar nicht schwierig. 
Ich habe die Bimmelbahn getestet, die einfach nur von links nach rechts fährt. Joa, ging, etwas holprig, aber nicht schlimm. 
Als zweites habe ich die Wellenrutsche getestet und musste auch hier sagen, dass es sogar ein minibisschen Spaß gemacht hat und vor allem gar nicht beängstigend war.
Und als krönenden Abschluss habe ich mich auf das Trampolin gewagt. Aber nicht das große, ich bin ja nicht verrückt. Sondern das kleine mit der bunten Umrandung. Das war sicher und ich bin auch gar nicht hingefallen. Hat auch ein minibisschen Spaß gemacht.

Aber das Beste an dem ganzen Freizeitpark war, dass ich mich abends mit den anderen Tester*innen treffen und wir uns über die Fahrgeschäfte austauschen konnten. Einige WAREN auf dem großen Trampolin und einige von unseren ganz mutigen Testerinnen haben sich sogar in den Thunderstorm mit 8m Schleuderflügen gewagt.

Das war toll.

Meine Bewertung für Freizeitpark Nr. 1:
★★★★⋆
Viereinhalb von Fünf Sternen

Mittwoch, 15.4.2020 Tag

Manche haben mir das ja nicht geglaubt, von wegen Wahrheit und Dichtung, aber ich mache WIRKLICH jeden Tag Yoga und ganz viele Tage sogar in echt zweimal am Tag! Also gerade hatte ich wieder eine Yogasession (während des Verfassens dieses Eintrages ist es Donnerstag 20:36) und schreibe also jetzt weiter am Bericht zum Tag davor. 

*Rattattazong* und so weiter, Ihr kennt das ja schon. Der nächste Freizeitpark ploppte auf der geheimen Corona-Camping-Landkarte auf. Noch ein bisschen weiter nördlich, aber nicht viel. Verraten darf ich hier (natürlich nicht), dass der Park "Greatbread Western" hieß. Er machte seinem Namen "Western" alle Ehre: Der Parkplatz war voll von Pferdekutschen, größere und kleinere und zwei blaue Dixibands spielten getrennt für Männer und Frauen am Rand. DAS war schonmal deutlich komfortabler als vor zwei Tagen. Dort spielte nur die Band "Gebüsch". 

Der Park an sich lebte von gemischter Landschaft, teils flach und sandig und teilweise mit großen Felsbrocken gespickt. Eine kleine Herausforderung beim Einstieg in die Spielzone. 
Nach den positiven Erlebnissen zwei Tage zuvor, war ich gut gelaunt in die Fahrgeschäfte eingestiegen und habe mich gleich in die schnelle Rutsche getraut, die wirklich außerordentlich lang war. Nach zweieinhalb Stunden erreichte ich eine Rutschstrecke von 39km! Ein paar von uns stiegen sogar in die Traverse und erreichten fremdes Land, welches aktuell auf dem offiziellen Weg durch eine Polizeistation vor Fremden geschützt ist. 
Die schnelle Rutsche war super, teils wellig, teils flach und glatt, super. 
Heute wagte ich mich sogar auf das Katapult - man steigt ein und wird auf mindestens 3,3m Höhe geschleudert, schwebt einen Moment schwerelos durch die Luft und landet sanft wieder unten. Allerdings war die Höhenanzeige nach einer Stunde defekt, so dass ich die spätere Schleuderhöhe, die gefühlt noch höher war, nicht messen konnte. Trotzdem: Auch super!
Und dann habe ich mich sogar noch in drei verschiedene Loopingbahnen getraut. Zuerst in die kleine mit flachen Loops mit Richtungswechsel, dann in die mit dem Backloop in Fahrtrichtung und zum Schluss habe ich mich sogar in die Loopingbahn getraut, die den Looping aus dem Fliegen heraus startet. Wow - das war cool und gar nicht schlimm und hat sogar Spaß gemacht. Mega super!

Aber am besten war es dann wieder, als ich hinterher mit der Yogalehrerin und dem Spanier zusammen die Parkattraktionen durchgesprochen habe. 

Camping ist halt am schönsten, wenn man nette Menschen trifft. 

Freizeitpark "Greatbread Western"
★★★★★
Fünf von Fünf Sternen

Piccio und die Yogalehrerin. Natürlich an einem ganz anderen Tag. Wir waren ja im Freizeitpark und nicht beim Kitesurfen.

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