Unterricht von zu Hause Tag 2 - 5 - Exponentiell experimentell

Eigentlich wollte ich jeden Tag etwas aus meinem Leben als Lehrerin in Zeiten der Corona-Krise schreiben, aber nach Dienstag mittag ging hier alles virulent exponentiell und hatte ich mich noch Stunden vorher gefragt, wie ich die Zeit bloß rumkriegen würde, so kann ich jetzt sagen, dass ich noch nie so viel für die Schule gearbeitet habe wie jetzt.

Wir alle haben so etwas noch nie erlebt, wir alle Menschen und dementsprechend gab es zu Beginn ein riesiges Chaos. Wie gestalten wir den Unterricht und bei den Eltern/Kindern natürlich - wie verstehen die Kinder es, dass wir nicht einfach schon 2 Wochen früher Ferien haben. Dass das hier alles nach jetzt noch guten 4 Wochen vorbei ist, glaubt hier niemand.

Also erstmal:
Man muss die Kinder beschäftigen.
Plan A: Tausend Zettel kopieren, tausend Aufgaben per Mail verteilen, 2 Wochen am Stück aufgeben.

Blöde Idee! Nichtmal "wir Erwachsenen" können mit Bergen von Aufgaben umgehen. Wer kann schon Haufen von Arbeit alleine sinnvoll auf 2 Wochen verteilend strukturieren? Und DAS sollen die Kinder können? 5. Klässler?

Plan A

Plan B: Aufgaben per Klassengruppenemail an die SuS (Schülerinnen und Schüler) verteilen.

Blöde Idee! Auch alle KuK (Kolleginnen und Kollegen) bekommen alle Aufgaben. Also neue Verteilerlisten erstellen. Hat man Anhänge dabei verdreißigfacht sich jedes Mal der Speicheraufwand (wir haben nur ein 2TB IServ Server). Struktur im Postfach??? Ha ha. Es gibt keine Struktur und wer findet alles wieder?
Speicheraufwand reduzieren: Die Aufgaben und Abgaben im Gruppenordner ablegen - alle können alles sehen und verändern und löschen. Die Aufgaben und Abgaben im Gruppenordner ablegen.

Problem: SuS: "Ich hab die Aufgabe nicht bekommen." Lösung: Email auch an Elternvertreter schicken, die schicken die Aufgaben weiter an alle Eltern.

=> Ab Dienstag nachmittag bekamen wir Rückmeldungen von heulenden Eltern die mit allem überfordert sind.

Plan B

Plan C: Das Aufgabenmodul benutzen

Ah, jetzt wird es besser. Überlegung: Wie lange sind Aufgaben aktiv? Was passiert bei abgelaufenen Aufgaben?
Die Vorgehensweise: Die Aufgabe ist an dem Unterrichtstag wie im Stundenplan gültig von morgens 7Uhr bis abends 19Uhr. Vorteil: Die SuS sehen was HEUTE zu tun ist. Nicht erledigte Aufgaben sind orange hinterlegt, man kann aber trotzdem noch etwas hochladen/einfügen.

Problem: Wir KuK können den SuS nur ganz schlecht Rückmeldung über ihre Ergebnisse geben. Alle einzeln per Email anschreiben? (verstopft in nächster Zukunft unseren Server) Per IServ Messenger? (extrem minimalistisch)

Aufgabenprobleme: Rechercheaufgaben sind mies. Man bedenke, dass ganz viele Eltern auch im Homeoffice arbeiten und der FamilienPC blockiert ist. Die Aufgaben müssen also möglichst ohne PC und nur mit Smartphone auskommen. Die Kinder können kaum was fragen, also müssen die Aufgaben so gestellt werden, dass sie alleine arbeiten können.

Ok, Plan C funktioniert erstmal für die Zeit bis zu den Osterferien um die Kinder mit Inhalten zu versorgen. Heute, Freitag, bekam ich auch die Rückmeldung von den ehemals heulenden Eltern, dass ihre Kinder jetzt gecheckt haben, dass das hier Unterricht ist und keine Ferien sind.

Aber was dann???

Wir können nicht bis wann auch immer mit Kommunikation per Email (verstopft in nächster Zukunft unseren Server) oder per IServ Messenger (extrem minimalistisch) den SuS etwas neues beibringen. Man muss miteinander sprechen. Man muss fragen können, man muss zeigen können. Das geht nicht beim Schreiben.

Wir sind jetzt gezwungen, die Digitalisierung der Schule voranzubringen. Nie war der Druck höher. Änderung entsteht häufig erst dann, wenn es sein MUSS. Allerdings hatten wir uns etwas anderes darunter vorgestellt.

Das war uns (ich als IT Admin unserer Schule) und meiner Elternvertreterin (EV) meiner Klasse schon Mittwoch klar und da sie und ihr Mann selbst IT-ler sind und Lust haben sich zu engagieren (man wird entweder EV weil man es muss, weil es sonst niemand macht oder weil man Bock drauf hat und bei ihr war es letzteres), schlugen sie MS TEAMS vor.

Und heute morgen dann das "Go" vom Schulleiter. (Ich hatte ihn so lange damit genervt, dass er gar nicht andes konnte) Und wenn alles so weiter läuft können wir ab nächster Woche mit TEAMS einsteigen, so dass wir ab nach den Osterferien bereit sind, online, von zu Hause zu unterrichten.

Und das alles ging ab Dienstag mittag mit exponentiellem Arbeitsaufwand voran. Auch wie ein Virus, aber in gut.

Morgen ist Samstag.
Jetzt hängt es von den übrigen Leuten ab, ob wir eine offizielle Ausgangssperre bekommen oder nicht.

Es ist das erst Mal in der Geschichte, dass wir die Menschheit retten können, indem wir zu Hause bleiben. I am doing my part!

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