Camping in Corona-Zeiten - Tag 1 bis 3
Schön war es definitiv nicht, aber wir haben die zwei Wochen Schule von zu Hause aus irgendwie hin bekommen und den Schülern auch noch was Vermitteln können. Dass alle irgendwann mal die Ränder der Überforderung, Verzweiflung und des Wahnsinns berührt oder überschritten haben, benötigt sicherlich keiner weiteren Erklärung.
Nach einer zähen Ewigkeit war der "letzte Schultag" erreicht, man wünschte sich über den internen Messenger "Schöne Ferien", machte den PC aus und es änderte sich überhaupt nichts. Wie auch.
Die Zeit zwischen Winter- und Osterferien sind immer besonders lang und zehrend und wenn einen dann noch andere energieraubende Dinge herunterziehen (extremes Energieleck seit kurz vor Weihnachten, plus etwas Verstörendes dazu vor drei Wochen) ist die einzige Rettung das Abhauen in den nächsten Ferien. Abhauen und all den Scheiß hinter sich lassen.
Aber jetzt: PC aus ----------------------- nichts.
Grenzen dicht, Inseln dicht und Campingplätze sowieso. #stayhome
Und dann hatte ich einen Plan.
Beschämt nahm er seine Tüte vom Kopf und in der allgemeinen Erheiterung konnte ich meine Deckung verlassen und lockere 2m Sicherheitsabstand einnehmen.
Der weitere Einkauf verlief reibungslos, davon mal abgesehen, dass ich einem anderen Mann mehrfach erfolgreich den Gang weg blockte indem ich mich mittig hinstellte und so tat, als würde ich nicht wissen was ich haben wollte.
Der vorhin brüllende Edeka-Mitarbeiter saß dann an meiner Kasse, eingebaut in ein Raumschiff aus Plexiglas, ich dankte ihm für seine Tat und für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur.
Nach Hause, packen.
Es musste schnell gehen, keine Zeit verschenken, Flucht. Laptop. Hund. Fertig gepackt. Los!
Die Fahrt war super. Keiner auf den Straßen, keine Staus und schnell ging es auch noch. Angekommen. Isoliermatten vor die Fenster damit niemand rein- oder rausschauen kann und schon war ich auf Fehmarn. Rechts von mir würde der Küchenwohnwagen stehen, gegen den Uhrzeigersinn weiter drehend könnte ich dann etwas weiter weg das Waschhaus sehen, vor mir freie Plätze, weiter links der blaue Windschutz, Svens Wohnwagen, Gerdis Wohnwagen, Hecke und das Gerüst des Sonnenschutzes. Konnte ich aber nicht sehen, denn ich hatte ja die Isoliermatten vor den Fenstern.
Mein Insiderwissen bescherte mir heute einen neuen Stellplatz. Idyllisch, direkt an einem See gelegen. Piccio und ich gehen gerne draußen spazieren, entweder rund um den See, im angrenzenden Park oder auf dem Spielplatz direkt neben unserem Stellplatz.
Die Nacht würden wir nutzen um zu fahren. Offenbar führte uns der Kompass nach Norden, denn am nächsten morgen...
Bald würden wir eingeschneit sein.
Die Außentemperaturen fielen. Man konnte fast hören, wie der Frost durch die Landschaft zog. Ein eisiges Knistern ließ die Welt gefrieren. Nur noch das Rascheln der Schneeflocken war zu hören. Zu sehen war hingegen nur noch weiß.
Oh, ich hätte es fast vergessen, natürlich hörte ich noch etwas anderes, nämlich das Dröhnen meiner 4KW Dieselstandheizung. Habt Ihr beim Flugzeug schon mal beim Flügel, bei den Turbinen gesessen? Dann stellt Euch vor, das Flugzeug ist nicht nur beim Abheben, sondern beim Durchstarten nach einem missglückten Landeanflug und das Flugzeug ist oben offen und eigentlich sitzt Ihr auch gar nicht im Flugzeug, sondern direkt auf dem Flügel und die Füße baumeln im Wind - Dieser Lärm mit der Summe der Gravitationskonstanten und Pi multipliziert, dann mit der Eulersche Zahl potenziert, die vorher mit dem zweimal angewendeten Kehrwert der Masse eines Neutrons dividiert wurde und dann habt Ihr ungefähr eine Ahnung davon, WIE LAUT ES GERADE IN MEINEM BUS IST.
Nichts mit "Stille Nacht."
Ertragbar war das Ganze nur mit meinen neuen Noise-Cancelling-Kopfhörern, dessen Marke ich nicht nennen werde, weil ich weder eine Insta-Bitch mit Millionen (Fake-)Followern bin, noch mich als Attention-Whore für gesponserte Gegenstände prostituieren werde.
Ich bin schon einmal auf so einen personalisierten "Wird unser Markenbotschafterin"-Scheiß reingefallen und bin jetzt stolze Besitzerin von drei minderwertigen Billo-Action-Cams, die ich "NUR" für den Preis des Portos bekommen habe.
Wo war ich stehen geblieben?
Ach ja, "Stille Nacht" - da wurde aus mehreren Gründen nichts draus, denn kurz vor dem Schlafen gehen, bekam ich noch eine Nachricht vom Squad, dass in der nahegelegenen U-Bahnstation ein Zombieangriff auf den Zug vorbereitet wird. Ich frage mich bis heute, wie es Zombies mit einem Intellekt von 0 (kein Hirn = keine Intelligenz, genauso wie keine Arme = keine Kekse und auch der ganze Rückenmarkskram sollte ebenfalls nichts mehr als Gammelfleisch sein) geschafft haben, etwas zu planen. Aber nun ja, es ging ja auch nicht ums verstehen, sondern ums eliminieren. Mein Freund Malte war als Ärztin gekommen (Verwirrspiele checken die Zombies immer nicht) und wir ballterten drauf los. Wir waren aber nicht so gut. Drei Züge fielen den Zombies zum Opfer, null wurden gerettet... Mittwoch dasselbe nochmal, aber dann mit Erfolg, hoffentlich.
Die Nacht sollte ruhig verlaufen und es war viel Sonne für den folgenden Tag angekündigt.
Nach einer zähen Ewigkeit war der "letzte Schultag" erreicht, man wünschte sich über den internen Messenger "Schöne Ferien", machte den PC aus und es änderte sich überhaupt nichts. Wie auch.
Die Zeit zwischen Winter- und Osterferien sind immer besonders lang und zehrend und wenn einen dann noch andere energieraubende Dinge herunterziehen (extremes Energieleck seit kurz vor Weihnachten, plus etwas Verstörendes dazu vor drei Wochen) ist die einzige Rettung das Abhauen in den nächsten Ferien. Abhauen und all den Scheiß hinter sich lassen.
Aber jetzt: PC aus ----------------------- nichts.
Grenzen dicht, Inseln dicht und Campingplätze sowieso. #stayhome
Und dann hatte ich einen Plan.
Samstag, 28.3.2020 Abreise
Es war dumm von mir, sehr sehr dumm, aber es war mir unmöglich, Donnerstag oder Freitag einkaufen zu fahren, also musste ich am Samstag , DEM Hauptlebensmitteleinkaufstag der Deutschen, los. Ich stand Gewehr bei Fuß 7:40 vorm Edeka (geöffnet ab 7:30) und was war? Er war schon voll. Was jetzt? - Parkour - In Schlangenlinien um die anderen Kunden. Duck and cover! Offenbar war ein Corona-Infizierter im Laden, wer sonst braucht Mundschutz, oder sogar eine Plastiktüte mit Sichtfenster über dem Kopf? Also Flugrolle hinter die Bio-Insel und ausharren. Mein Puls raste. Um mich herum wurde es totenstill, nur das Rascheln des Plastiktütenmanns war zu hören. Vorsichtig tastend griff ich über mich und konnte ein Bund Möhren ergreifen, welches ich mir auf den Kopf setzte - mit dem Möhrengrün vor dem Gesicht würden weder er noch das Virus mich entdecken können. Mein Atem stockte als sich die Räder seines Einkaufswagens in mein Sichtfeld drängten. "Ey, da hat doch tatsächlich jemand ne Tüte auf dem Kopf!" brüllte es von der Frischfleischtheke herüber durch den ganzen Laden. Schallendes Gelächter aller Edeka-Mitarbeiter*innen.Beschämt nahm er seine Tüte vom Kopf und in der allgemeinen Erheiterung konnte ich meine Deckung verlassen und lockere 2m Sicherheitsabstand einnehmen.
Der weitere Einkauf verlief reibungslos, davon mal abgesehen, dass ich einem anderen Mann mehrfach erfolgreich den Gang weg blockte indem ich mich mittig hinstellte und so tat, als würde ich nicht wissen was ich haben wollte.
Der vorhin brüllende Edeka-Mitarbeiter saß dann an meiner Kasse, eingebaut in ein Raumschiff aus Plexiglas, ich dankte ihm für seine Tat und für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur.
Nach Hause, packen.
Es musste schnell gehen, keine Zeit verschenken, Flucht. Laptop. Hund. Fertig gepackt. Los!
Die Fahrt war super. Keiner auf den Straßen, keine Staus und schnell ging es auch noch. Angekommen. Isoliermatten vor die Fenster damit niemand rein- oder rausschauen kann und schon war ich auf Fehmarn. Rechts von mir würde der Küchenwohnwagen stehen, gegen den Uhrzeigersinn weiter drehend könnte ich dann etwas weiter weg das Waschhaus sehen, vor mir freie Plätze, weiter links der blaue Windschutz, Svens Wohnwagen, Gerdis Wohnwagen, Hecke und das Gerüst des Sonnenschutzes. Konnte ich aber nicht sehen, denn ich hatte ja die Isoliermatten vor den Fenstern.
Sonntag, 29.3.2020 Tag 2
Leider haben sonst keine Campingplätze geöffnet. Das ist gerade tatsächlich ein Problem. Hier helfen nur exklusive Insiderkenntnisse. Deshalb kann ich hier auch auf gar keinen Fall die besuchten Plätze bekannt geben, sonst würde ich als Whistleblowerin Camping-Weltverbot bekommen.Mein Insiderwissen bescherte mir heute einen neuen Stellplatz. Idyllisch, direkt an einem See gelegen. Piccio und ich gehen gerne draußen spazieren, entweder rund um den See, im angrenzenden Park oder auf dem Spielplatz direkt neben unserem Stellplatz.
Die Nacht würden wir nutzen um zu fahren. Offenbar führte uns der Kompass nach Norden, denn am nächsten morgen...
Montag, 30.3.2020 Tag 3
...lag Schnee. Und es schneite weiter. Dicke Flocken. Schnell warfen sich Piccio und ich uns in unsere Fellmäntel, also Piccio hatte ihren schon an und meiner war auch nicht aus Fell, sondern Daune, aber natürlich nur das Futter, außen rum war Synthetik und sowieso war es kein Mantel.![]() |
| Kein Fake!!! |
Die Außentemperaturen fielen. Man konnte fast hören, wie der Frost durch die Landschaft zog. Ein eisiges Knistern ließ die Welt gefrieren. Nur noch das Rascheln der Schneeflocken war zu hören. Zu sehen war hingegen nur noch weiß.
Oh, ich hätte es fast vergessen, natürlich hörte ich noch etwas anderes, nämlich das Dröhnen meiner 4KW Dieselstandheizung. Habt Ihr beim Flugzeug schon mal beim Flügel, bei den Turbinen gesessen? Dann stellt Euch vor, das Flugzeug ist nicht nur beim Abheben, sondern beim Durchstarten nach einem missglückten Landeanflug und das Flugzeug ist oben offen und eigentlich sitzt Ihr auch gar nicht im Flugzeug, sondern direkt auf dem Flügel und die Füße baumeln im Wind - Dieser Lärm mit der Summe der Gravitationskonstanten und Pi multipliziert, dann mit der Eulersche Zahl potenziert, die vorher mit dem zweimal angewendeten Kehrwert der Masse eines Neutrons dividiert wurde und dann habt Ihr ungefähr eine Ahnung davon, WIE LAUT ES GERADE IN MEINEM BUS IST.
Nichts mit "Stille Nacht."
Ertragbar war das Ganze nur mit meinen neuen Noise-Cancelling-Kopfhörern, dessen Marke ich nicht nennen werde, weil ich weder eine Insta-Bitch mit Millionen (Fake-)Followern bin, noch mich als Attention-Whore für gesponserte Gegenstände prostituieren werde.
Ich bin schon einmal auf so einen personalisierten "Wird unser Markenbotschafterin"-Scheiß reingefallen und bin jetzt stolze Besitzerin von drei minderwertigen Billo-Action-Cams, die ich "NUR" für den Preis des Portos bekommen habe.
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| Leider auch kein Fake... |
Ach ja, "Stille Nacht" - da wurde aus mehreren Gründen nichts draus, denn kurz vor dem Schlafen gehen, bekam ich noch eine Nachricht vom Squad, dass in der nahegelegenen U-Bahnstation ein Zombieangriff auf den Zug vorbereitet wird. Ich frage mich bis heute, wie es Zombies mit einem Intellekt von 0 (kein Hirn = keine Intelligenz, genauso wie keine Arme = keine Kekse und auch der ganze Rückenmarkskram sollte ebenfalls nichts mehr als Gammelfleisch sein) geschafft haben, etwas zu planen. Aber nun ja, es ging ja auch nicht ums verstehen, sondern ums eliminieren. Mein Freund Malte war als Ärztin gekommen (Verwirrspiele checken die Zombies immer nicht) und wir ballterten drauf los. Wir waren aber nicht so gut. Drei Züge fielen den Zombies zum Opfer, null wurden gerettet... Mittwoch dasselbe nochmal, aber dann mit Erfolg, hoffentlich.
Die Nacht sollte ruhig verlaufen und es war viel Sonne für den folgenden Tag angekündigt.




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